Achim Tang (Workshop 2a)

Als Musiker und (kultur)pädagogischer Quereinsteiger habe ich in den vergangenen zehn Jahren zusammen mit anderen KollegInnen an einem musikalisch/ künstlerischen Ansatz zum Klassenmusizieren mit Grundschulkindern gearbeitet. Dabei sind sowohl auf künstlerisch-konzeptioneller als auch auf methodisch-didaktischer Ebene eine Reihe von Modellen entstanden, in denen es nicht um die Werkzeuge geht, die ein gemeinsames Musizieren ermöglichen sollen, sondern in denen das Musizieren selbst unmittelbar im Mittelpunkt der Zusammenarbeit steht. Wir wollen also die Kinder nicht in Musik unterrichten, sondern zusammen mit ihnen Musik machen! Dabei stellen wir uns dem Anspruch, in einem gemeinsamen schöpferischen Prozess Musik zu erarbeiten, die für alle Beteiligten – also auch für uns als MusikerInnen – gleichermassen interessant ist. 

Experimentelles Klassenmusizieren versucht eine didaktische Reduktion der Musik, in der diese unter dem Stichwort der Kompetenzorientierungauf handwerkliche Aspekte oder die Vermittlung der abendländischen Regelsysteme beschränkt wird, zu vermeiden. Im Gegensatz dazu soll hier das Phänomen Musik (sowohl im Sinne der künstlerischen Geste als auch der sozialen Aktion) gemeinsam mit den Kindern so ganzheitlich wie eben möglich erforscht werden, wobei wir ihnen unseren Erfahrungsvorsprung als MusikerInnen zur Verfügung stellen. In meinem Beitrag im Rahmen der Fachtagung Klassenmusizieren möchte ich diesen Ansatz anhand von praktischen Beispielen zur Diskussion stellen. In dieser Diskussion stehen aus meiner Sicht die Fragen nach der ästhetischen Qualität von Musik, nach dem Spannungsfeld zwischen künstlerischer und pädagogischer Arbeit und nach den Gelingenskriterien für Partizipation und Inklusion im Mittelpunkt der kritischen Betrachtung.